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teneriffa drei

da standen wir im hotel und es gab als erstes eine diskussion darüber, dass ich mit einer kreditkarte eine kaution zu hinterlegen hätte. davon hatte vor der buchung nirgendwo etwas gestanden. da ich das budget kalkuliert und mir dann geborgt hatte, hatte ich nicht mal eben die 100 € kaution übrig. dazu kam, dass ich bisher keine kreditkarte habe.

ich finde das immer wieder auch tatsächlich diskriminierend, wenn man etwas nur mit kreditkarte buchen oder bezahlen kann. ich kenne viele menschen die keine kreditkarte haben, was sollen die dann machen?
an der rezeption erwachte mein kampfgeist, ich war mega müde, hungrig und wollte einfach nur in unser zimmer. es wurde eine lange diskussion an deren ende ich endlich mit reisemädchen in unser zimmer konnte.

ein mann begleitete uns zum zimmer und zeigte es uns. ich war überrascht, denn es war nicht nur ein zimmer sondern im grunde drei. ich hatte gewusst, dass es eine kleine küche gab, was schön war, damit wir uns selbst versorgen konnten. zusätzlich gab es zwei schlafzimmer und die küche war quasi eine wohnküche, mit einem sofa und sesseln. von dort aus und von dem einen schlafzimmer aus kam man auf den balkon, der auch ganz in weiß gehalten war. das meer allerdings konnte ich nur in der ferne erahnen, über das dach hinweg, dass samt gebäude dazu vor dem balkon stand. da ich zu der gruppe des seminars gehörte, sollte es eigentlich ein zimmer mit meerblick sein. dass war es bei uns nicht. trotz meiner müdigkeit fragte ich nach. der mann meinte, ich könne an der rezeption nachfragen, vielleicht würde ja heute oder morgen ein anderes zimmer frei.

als wir hinunter gingen, um uns den kleinen lebensmittelladen im hotel anzusehen, fragte ich auch nach einem zimmer mit meerblick. ja, da sei keins frei, ich könnte ja morgen wieder nachfragen. ich war im ersten moment schon etwas gefrustet, denn ich hatte mich voll auf meerblick eingestellt und das hotel kostete ja auch für uns damals einiges an geld. noch dazu hatte ich mir das geld geliehen. kurzum, ich wollte gerne das für uns perfekte zimmer mit meerblick.

erstmal machten wir uns nun auf den weg, etwas zu essen einzukaufen und unserer unterzuckerung zu begegnen. die war riesig und mir schon schwummerig.
ich kochte etwas einfaches. dann packten wir unsere wenigen sachen aus und machten es uns schön. das zimmer bzw. das appartement an sich war einfach schön. alles so hell und freundlich. das reisemädchen zog eine schublade heraus die keinen stopp hatte und diese fiel ihr auf einen großen zeh. es tat ihr sehr weh und schnell bildete sich eine blutblase unter dem zehennagel. der schreck war aber bald vergessen und wir gingen raus, um den weg zum meer zu entdecken.

reisemädchen klettert sehr gerne und so war sie flugs auf den felsen unterwegs. wir kraxelten etwas herum und wollten dann weiter gehen, ein stück den weg entlang, der sich oben am ufer entlangwand.
reisemädchen lief nochmal ein stück zurück, ich war ungeduldig und fragte sie, was sie da noch tun würde. sie kletterte auf einen kleinen spitzen „berg“ und hockte dann dort oben. ich fragte sie noch einmal, und noch einmal, weil ich gedanklich schon bei unserem spaziergang war. statt einer antwort sah ich plötzlich wie sie ins wackeln kam, hinter ihr ging es steil runter und ich, inzwischen war ich zu dem „berg“ gegangen, griff nach ihr aber ins leere, da ich nicht nah genug an sie herankam.

da ist er, der kleine „berg“.

ein großer schreckmoment kam jetzt, ich sah reisemädchen wie sie quasi einen purzelbaum rückwärts machte, den „berg“ hinab und noch ein stück rutschte. ich war schon hingerannt, sie weinte sofort und ich nahm sie einfach erstmal auf den schoß, nebenbei schaute ich, wie sie sich bewegte, alles schien okay, keine körperteile seltsam abgespreizt, kein loch im kopf…kaum im ausland angekommen sah ich mich innerlich schon mit ihr ins krankenhaus eilen. aber alles schien okay, kratzer gab es und eine große schürfwunde am rücken die blutete. gefühlt tat ihr alles weh und sie wollte direkt ins hotelzimmer. auch sie hatte einen großen schreck bekommen. also gingen wir erst einmal hoch. sie wollte am liebsten gar nicht, dass ich da etwas anfasste oder auch nur anschaute und ich wollte gerne schauen, um zu sehen wie tief die kratzer waren und auch wegen evntuellem dreck von den felsen.

oben angekommen durfte ich nach und nach schauen und als erstes überlegte ich wie wir es mit dem schlafen machen würden, da die wunde am rücken eher flächich war und sicher feuchtigkeit abgeben würde. ich wusste, am besten wäre es wenn sie an der luft heilen könnte, aber das bett voller blut wäre sicher für das hotel nicht so schön. an der rezeption hatte ich noch nach einem desinfektionsmittel für wunden gefragt und kleine ampullen bekommen. damit behandelte ich die wunde und für die nacht klebte ich pflaster drauf.

im nachhinein habe ich überlegt warum sie das gleichgewicht verloren hat und denke, dass ich sie einfach mit meinem gefrage abgelenkt habe. das war eine lektion in achtsamkeit für mich. sie tat gerade etwas, dort hoch klettern, und durch mein gefrage habe ich einen teil ihrer aufmerksamkeit abgelenkt. dabei sage ich ihr immer, wie wichtig es ist, sich voll auf das zu konzentrieren, was sie gerade tut, wenn sie zum beispiel klettert. ich war gedanklich schon bei der nächsten sache und nicht mehr im moment, im hier und jetzt mit ihr.
heute sind noch kleine narben zu sehen oder eher hautverfärbungen die sich sicher noch auswachsen. es war sehr aufregend gewesen und ich bin super dankbar, dass nichts ernsteres passiert ist.

am nächsten tag war reisemädchen wieder unternehmungslustig wie immer, nur wenn ich sie beim umarmen aus versehen am rücken an der stelle berührte tat es ihr etwas weh.

nun waren wir also angekommen, hatten unser zimmer, ein wunderschönes bad, hatten dem atlantik hallo gesagt und schon ein erstes abenteuer bestanden. wir gingen früh ins bett und ich genoss es in diesem riesigen bett zu liegen und zu wissen, dass wir in einem anderen land, sogar auf einer insel waren.

mehr über unsere entdeckungen auf der insel und reisebegegnungen erfährst du im vierten teil.

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